Montag, 11. August 2014

Abschlussbericht

Ein Jahr voller Ereignisse geht zu Ende…



Mein Leben in Nakuru, für mich die schönste Stadt Kenias, geht nun langsam dem Ende zu. Ich liebe mein Projekt und die Arbeit mit den Kindern, ich genieße jede einzelne Minuten mit ihnen und will mir gar nicht vorstellen, wie mein letzter Tag hier aussehen wird!



Wenn ich auf mein Jahr hier in Kenia zurückblicke, dann bin ich einfach nur so dankbar,
dass ich diese Chance bekommen habe und ich so viel von den Menschen, ihrer Kultur
und Mentalität lernen durfte. Trotz vieler Höhen und Tiefen bereue ich dieses Jahr Kenia
auf keinen Fall und bin froh, diesen Schritt getan zu haben.
Da ich durch meinen Freiwilligendienst ein Jahr lang in einer Grundschule arbeiten durfte,
habe ich viel zum Thema Unterrichten und das Arbeiten mit Kindern gelernt. Durch diese
Erfahrung habe ich gemerkt, dass Unterrichten nicht das ist, was ich in meinem
zukünftigem Berufsleben machen möchte. Die Arbeit jedoch mit den Kindern hat mir
unheimlichen Spaß gemacht. Ich bin für viele wie eine große Schwester und die Kinder
bevorzugen mich meistens den Lehrern und vertrauen mir ihre Probleme an. Ich bin für sie
eine Ansprechperson in jeder Situation geworden und ich konnte in dem Jahr eine ganz
besondere Beziehung zu den Kindern aufbauen.
Trotzdem hatte ich anfangs Probleme Respekt von den Kindern zu bekommen, da sie so
frei und locker mit mir umgingen, als ob ich ein Teil von ihnen bin und sie es ausgenutzt
haben, dass ich sie nicht durch Schläge bestraft habe. Wenn ich dann aber mal wieder in
die Lehrerrolle schlüpfen musste, hatte ich manchmal Probleme die ganze Klasse im Griff
zu halten. Im Großen und Ganzen habe ich dann aber meinen eigenen Weg gefunden mit
den Kindern umzugehen und sie nicht durch Schläge zu disziplinieren. Das haben die
Kinder sehr wertgeschätzt und mir das dann auch durch ihren Respekt mir gegenüber
gezeigt.
In diesem Jahr habe ich persönlich so viel dazu gelernt, wie sonst nirgends anders. Ich bin
viel selbstbewusster, offener, flexibler und toleranter geworden. Ich habe gelernt, zu
meiner Meinung zu stehen, nicht alles mit mir machen zu lassen und Menschen nicht zu
schnell zu beurteilen. Es sind so viele Dinge, die man hier gelernt hat und man erlebt so
unglaublich viel. All diese Erfahrungen lassen einen reifer werden und man lernt sich
selbst sehr viel besser kennen.
Wenn ich an meine ersten Tage hier in Kenia denke und mich dann heute ansehe, merke
ich selbst, wie sehr ich mich persönlich verändert habe und wie viel ich gelernt habe.
Anfangs war alles neu und man selbst so unsicher! Das hat sich nun total verändert und
auch meine Einstellung zu vielen Dingen und hat sich verändert und ich habe mich weiter
entwickelt.
Durch dieses Jahr Kenia habe ich viel von den Menschen und ihrer Kultur lernen dürfen.
Es hat mir unglaublichen Spaß gemacht, mich mit den unterschiedlichsten Menschen
austauschen zu dürfen und ihre Kultur dadurch kennen zu lernen. Ich habe schnell gelernt
mich zu integrieren, die Kultur zu respektieren und mich anzupassen.
Ebenso konnte ich den Menschen von Deutschland erzählen, ich war erstaunt wie
interessiert viele Menschen waren, aber auch was für falsche Sichtweisen teilweise über
„Weiße“ existierten.

Mein Projekt Cherish Exchange Foundation ist eine Grundschule für Straßenkinder, die im
umliegenden Ponda Mali Slum leben. Sie bekommen dort eine kostenlose
Schulausbildung sowie Mittagessen. Ich bin in Klasse 2 und 3, habe manchmal alleine
unterrichten müssen oder einfach der Lehrerin assistiert.
Manchmal gibt es mehr für mich zu tun, manchmal weniger. Wenn ein Lehrer ausfällt,
springe ich ein und unterrichte die Klasse. Man muss flexibel sein und sich manchmal
selbst Arbeit suchen. Da mir das Unterrichten aber nicht so sehr viel Spaß bereitet,
genieße ich besonders die Unterrichtsfreie Zeit mit den Kindern. Ich kann mit ihnen reden,
spielen, sie bringen mir Kiswahili bei und fragen mich über das ferne Deutschland aus. Es
macht einfach unglaublich Spaß und die Kinder sind wahnsinnig lustig und wissbegierig!
Viele Kinder kommen aus schwierigen Familiensituation, ich bin für sie eine große
Schwester geworden, die ihnen Aufmerksamkeit und Zuneigung schenkt.
Da es einen ständigen Lehrerwechsel gab, war es schwer sich ins Team zu integrieren, da
immer wieder neue Leute kamen und gingen. Ich habe mich aber sonst, mit kleinen
Ausnahmen, gut mit dem Kollegium verstanden! Manchmal war es für mich schwierig die
Erziehungsmaßnahmen der Lehrer nachzuvollziehen. Das Schlagen von Kindern habe ich
auch nach meinem Jahr in Kenia nicht tolerieren können. Ich habe gelernt, meinen
eigenen Weg zu gehen. Denn die Meinung der Lehrer konnte ich nach vielen
Diskussionen natürlich nicht ändern. Ich musste es also akzeptieren, habe mich aber nicht
so weit angepasst, dass ich diese Erziehungsmethode übernommen habe.
Im Vergleich zum Anfang hat es sich schon um Einiges verbessert, jedoch wird noch eine
menge Zeit vergehen, bis es keine Schläge mehr in kenianischen Schulen geben wird.
In meiner Zeit habe ich gemeinsam mit einer anderen Freiwilligen die Schule gestrichen
und ich habe das „Beads“ Projekt gestartet, welches nun leider durch den Direktor
abgebrochen wurde. Die Kinder hatten eine Menge Spaß an den tArmbänder machen und
konnten somit mal von dem stressigen Schulalltag abschalten. Sie fragen mich immer
wieder, wann ich wieder eine Unterrichtsstunde gebe, doch leider sollen sich die Kinder
auf ihre Schulausbildung konzentrieren und es bleibt deshalb keine Zeit für meine „Beads
Lesson“! Für die Kinder ist das sehr schade. Sie waren sehr motiviert und haben
unglaublich schnell gelernt. Für die Kinder ist es gut, dass sie mehrere Fertigkeiten
erlernen damit sie in der Zukunft mehr Möglichkeiten haben.
Ich hoffe, dass eventuell der nächste Freiwillige sein Glück nochmal probiert und das
Projekt wieder auffrischen kann. Für die Kinder wäre es auf jeden Fall schön.
Viel bewirken kann man in seinem Freiwilligendienst nicht. Ich fand es sehr schwer Etwas
konkretes umzusetzen, da man natürlich „nur“ ein Freiwilliger ist und sich den Regeln des
jeweiligen Projektes anpassen muss. Ich habe die Zeit hier eher als „Ich-will-was-lernen“
betrachtet, als „“Ich-will-was-verändern“. Ein Jahr, es mag sehr lang klingen, ist aber auch
viel zu kurz für große Projekte.
Mein Projekt ist wie viele andere nicht auf Freiwillige angewiesen, sie würden auch gut
ohne mich zurecht kommen. Jedoch wäre niemand für die Kinder da oder es könnte sonst
keiner bei Lehrermangel schnell mal einspringen. Ich finde es gut, dass in meinem Projekt
viele Freiwillige sind. Die Kinder genießen das sehr, vor allem wenn man für eine längeren
Zeitraum bleibt.

In meiner Gastfamilie fühle ich mich relativ wohl. Ich habe sehr viele Freiheiten, was mir
sehr gut gefällt. Ich habe meinen Platz gefunden, aber ich bin auch froh, wenn ich wieder
gehen werde. Ich habe mich nie gut mit meiner Gastmutter verstanden, aber ich habe
gelernt wie ich mich integrieren kann, sodass es zu keinen Konflikten kommt. Mit meinem
Gastbruder habe ich mich sehr gut verstanden, ebenso mit meinem Gastvater, der sich
immer bemüht hat, dass ich mich wohlfühle. Ich habe in diesem Jahr gelernt, sich ein
Zimmer zu teilen und mit wenig oder kaum Privatsphäre auszukommen. Ebenfalls musste
ich für einen längeren Zeitraum mein Bett teilen, da die Schwester meiner Gastmutter zu
einem längeren Besuch kam. Man lernt sich anzupassen und seine eigenen Bedürfnisse
zurück zu stecken.

Viele meiner Konflikte habe ich selbst in die Hand genommen und versucht zu lösen,
jedoch hatte ich auch ausreichend Unterstützung aus Seiten meiner deutschen und
kenianischen Organisation.
Da ich am Anfang so gut wie keine Erwartungen an meinen Freiwilligendienst gestellt
habe, bin ich auch in keiner Weise enttäuscht wurden. Im Nachhinein hätte ich eventuell in
manchen Situationen anders handeln sollen, doch auch die negativen Erfahrungen haben
mich in irgendeiner Weise gestärkt und weiter gebracht. Ich bin froh, dass alles so passiert
ist, wie es ist.

Ich habe Kenia in diesem Jahr für mich ganz persönlich kennen lernen dürfen und es
lieben gelernt. Es wird auf jeden Fall nicht das Letzte Mal hier gewesen sein. Ich habe das
Glück gehabt so viele liebe Menschen kennen lernen zu dürfen und die Kinder in meinem
Projekt haben einen großen Platz in meinem Herzen eingenommen. Mir bleibt gar nichts
anderes übrig, als ganz bald wieder nach Kenia zu kommen! Ja, man kann sagen, ich
habe hier ein zweites Zuhause gefunden. Ich fühle mich unglaublich wohl in Kenia, ich
liebe die kenianische Mentalität und die Lebensweise der Menschen. Ich kann jeden Tag,
den ich noch vor mir habe nur in den vollsten Zügen genießen. Trotz vieler Situationen, in
denen ich mich gerne aufgeregt hätte, habe ich gelernt, viele Dinge mit Humor zu nehmen
und das lässt einen das Leben leichter leben...

Asante sana, Kenya!


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